Etwas versteckt liegt in Kreuzberg zwischen Friedrich- und Lindenstraße, die kleine Enckestraße, direkt am Besselpark und der Besselstraße. Zu alten West-Berliner Zeiten war sie die Zufahrt zum Blumengroßmarkt, der jedoch 2010 nach Moabit umzog. Viel früher jedoch stand an diesem Ort einer der wichtigsten astronomische Forschungseinrichtungen: Die Neue Berliner Sternwarte, erbaut nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel. Zwischen 1835 und 1913 forschten hier bedeutende Astronomen wie Johann Franz Encke und Friedrich Wilhelm Bessel.
Die zuerst auf freiem Feld und inmitten von Gärten errichtete Sternwarte wurde während der Gründerzeit jedoch immer mehr von Wohnhäusern und Gewerbebetrieben zugebaut. Der Qualm der Öfen und Fabriken nahm so stark zu, dass die Beobachtung der Gestirne nicht mehr möglich war. So wurde sie im Jahr 1913 abgebrochen und zog nach Potsdam auf den Babelsberg um. Heute befindet sich dort in der Straße An der Sternwarte das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam.
Die Sternwarte in Kreuzberg ist heute fast vergessen, dabei war sie zur damaligen Zeit sehr bedeutend, sie stand Verbindung mit der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften. Hier wurde 1846 der Planet Neptun entdeckt.
Heute weisen noch die Namen Enckestraße und Besselstraße auf die Sternwarte hin, die auf dem Gelände des heutigen Besselparks stand. Außerdem erinnert eine Stele an den historischen Standort des Preußischen Normal-Höhenpunktes, der sich direkt an einstigen Sternwarte befand. Er war die Grundlage für das deutsche Höhensystem Normal-Null.

Schreibe den ersten Kommentar